Als Zäsuren (von lat. caedere, caesus: hauen, einschneiden) bezeichnet man in der Gedichtanalyse metrisch, syntaktisch und lautlich bedingte Einschnitte, die an einer bestimmten Stelle im Vers erfolgen. Dabei handelt es sich um kurze (meist unvermeidbare) Sprechpausen in der Prosodie (d.h. der „Melodie“) des Verses, die eine Verszeile in zwei Teile (sogenannte „Kola“) auftrennen.
Man unterscheidet zwischen festen (verskonstituierenden) und frei beweglichen Zäsuren:
Feste Zäsuren kommen bei bestimmten Versformen regelhaft vor (beispielsweise im Alexandriner, dem Vers commun oder dem Hexameter) und stehen immer an derselben Stelle im Vers; die Position frei beweglicher Zäsuren (wie beim Blankvers oder Elfsilbler (Endecassilabo)) hingegen kann frei gewählt werden.
Erfolgt der Einschnitt nach einer Hebung, spricht man von einer männlichen, erfolgt er nach einer Senkung, spricht man von einer weiblichen (oder klingenden) Zäsur. Zäsuren finden sich bereits in germanischen, besonders aber in lateinischen und griechischen Dichtungen; nicht selten werden sie verwendet, um durch ein kurzes Innehalten Spannung aufzubauen; gelegentlich sind sie auch inhaltlich relevant, indem sie einen Gegensatz (i.S.v. These und Antithese) markieren, wie das beispielsweise beim Alexandriner der Fall ist (die markanteste Eigenschaft des Alexandriners ist neben der festen Silbenzahl (12 oder 13) eine Mittelzäsur nach der sechsten Silbe):
Beispiel: Andreas Gryphius: Es ist alles eitel
Was dieser heute baut, | reißt jener morgen ein
Wo itzund Städte stehn, | wird eine Wiesen sein.
xXxXxX|xXxXxX
xXxXxX|xXxXxX
[blau: Mittelzäsur;
grün: These, rot: Antithese
x: unbetonte Silbe; X: betonte Silbe]
Zäsuren werden oft (aber nicht immer!) durch Interpunktion ( , . ; / ) angezeigt; sie kommen beispielsweise auch dann vor, wenn zwei betonte Silben aufeinandertreffen („Hebungsprall“).
Der Begriff „Zäsur“ wird analog auch in der Musik und der Architektur verwendet.

gut sicht- oder eher hörbar sind Zäsuren auch im Distichon, einer typischen Strophenform der Antike. im Deutschen wurden Distichen z.B. von Goethe oder Schiller verwendet. die Zäsur steckt hier im Pentameter, der zweiten Zeile des Distichon:
Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Luft ein.
Im Pentameter drauf laesst er sie wieder heraus.
XxXxxXxxXxxXxxXx
XxXxxX/XxxXxxX
Deutlich treffen hier im zweiten Vers zwei Hebungen aufeinander und bilden die Zäsur.
Das Beispiel stammt von Matthias Claudius.
Von: Maria Kempf am November 23, 2009
um 12:57 pm