Ein Wortpaar, das sich auszeichnet durch einen Gleichlang beginnend nach dem ersten Konsonanten der letzten betonten Silbe des jeweiligen Wortes. Damit verläuft ein Reim in den meisten Fällen über eine oder zwei Silben hinweg.
Beispiele: Baum – Traum ; leben – geben ; gefällt – Welt ; Feuer – Ungeheuer ; Wandelnde – Handelnde
Neben diesen reinen Reimen kommen häufig auch unreine Reime und Assonanzen zum Einsatz. Bei unreinen Reimen klingen die beiden Reimwörter nicht mehr gleich, aber noch sehr ähnlich.
Beispiele: verlieren – führen ; Tal – Wall ; zeigen – erbleichen
Von Assonanzen spricht man, wenn die beiden Reimwörter nur noch grobe Ähnlichkeiten in ihrem Klang vorweisen:
Beispiele: Mund – Hand ; Fahnen – Erbarmen ; da – wahr
Formen
Umgangssprachlich bezeichnet das Wort „Reim“ den klassischen Endreim: Die aufeinander reimenden Wörter stehen dabei stets an den Enden eines jeden Verses.
Beispiel:
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch’ ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl’ ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.
(Johann Wolfgang Goethe, Faust)
Neben dem Endreim und seinen Unterformen (Rührender Reim, Grammatischer Reim, Reicher Reim u.W.) existieren weitere Arten, die in der Lyrik weniger häufig auftreten. Beim Binnenreim etwa liegen die beiden Reimworte innerhalb eines Verses.
Beispiel:
Eine starke, schwaze Barke
Segelt trauervoll dahin.
Die vermummten und verstummten
Leichenhüter sitzen drin.
(Heinrich Heine, Childe Harold)
Die wohl älteste Form des Reimes stellt der Stabreim dar, der bereits in germanischen Heldenliedern eingesetzt wurde. Dabei beginnen zwei aufeinanderfolgende betonte Silben mit dem gleichen Konsonanten. Stabreime blieben in Form einiger Sprichwörter bis in unsere Zeit erhalten:
Beispiele:
Bei Wind und Wetter
Tod und Teufel
Reimschemata
Sich aufeinander reimende Verse müssen nicht zwangsläufig direkt aufeinander folgen. Sehr häufig findet man komplexere Schemen vor, die sich mit Worten oftmals schwierig beschreiben lassen. Daher bedient man sich einer speziellen Notation, um ein Reimschema zu charakterisieren.
Hierbei benennt man jeden Vers mit einen Buchstaben, wobei man die alphabetische Reihenfolge beachtet. Reimt ein Vers auf einen Vorangegangenen, bezeichnet man ihn mit dem gleichen Buchstaben.
Beispiel:
Liebe lässt sich suchen, finden,
Niemals lernen, oder lehren,
Wer da will sie Flamm entzünden
Ohne selbst sich zu verzehren,
Muß sich reinigen der Sünden.
Alles schläft, weil er noch wacht,
Wann der Stern der Liebe lacht,
Goldne Augen auf ihn blicken,
Schaut er trunken von Entzücken
Mondbeglänzte Zaubernacht.
(Ludwig Tieck, Wunder der Liebe)
Reimschemata: ababaccddc
In einigen Fällen setzen sich Reimschemata aus grundlegenden Schemata zusammen, denen man aufgrund ihrer Bedeutung feste Bezeichnungen gab. Die Wichtigsten sind der Paarreim (aa), der Kreuzreim, (abab), der Umarmende Reim (abba), der Unterbrochene Reim (abcb) und der Verschränkte Reim (abcabc).
Wirkung
Aufgrund ihres großen Wiedererkennungseffektes dienen Reime als starke Bindeglieder zwischen den Versen. Sie führen den Leser auf kunstvolle Art sicher durch das Werk und lassen Ihn den Inhalt leichter erfassen.
Klanglich bereichert der Reim das Gedicht um eine weitere lautliche Komponente, und lässt im Zusammenspiel mit der Metrik ein Gedicht zu einem Klanggebäude werden.
Satirische Gedichte nutzen oft die Möglichkeit, durch überraschende, originelle Reime, noch mehr Witz in den Vortrag zu säen.
Geschichte
Das Prinzip der Lautwiederholung fand sich bereits in germanischen Heldenliedern umgesetzt (Stabreim). Der Reim in seiner heutigen Form entwickelte sich in Europa während des frühen Mittelalters und bestimmte die Lyrik über mehrere Epochen hinweg bis zur späten Romantik.
Nach den oft tragisch verlaufenden Entwicklungen des späten 19. und 20. Jahrunderts (Industrialisierung, Weltkriege, Vernichtungslager) rückten die zunehmend weltfremd erscheindenden Motive der Klassik und Romantik zunehmend in den Hintergrund, und mit ihr der Reim als typisches Stilmittel dieser Epochen. In der Moderne galt der Reim lange Zeit für verpöhnt.
Dennoch ist der Reim alles andere als vom Aussterben bedroht. Mochte er aus der Kunst auch stark verdrängt werden, spielt er in der Unterhaltung (Pop-Musik, Büttenreden, Kinderbücher usw.) weiterhin eine sehr große Rolle.

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