Als Metrik („Zählung“, „Messung“) bezeichnet man die Lehre vom Versmaß (bzw. Metrum). Generell hängt die Methode, mit der man die Länge eines Verses misst, von der Sprache des Gedichtes ab, da unterschiedliche Sprachen unterschiedliche Prosodie (d.h. lautliche Strukturen) aufweisen. Grundsätzlich unterscheidet man quantitierende von akzentuierenden Sprachen: ausschlaggebend für die Metrik in quantitierenden Sprachen ist die Länge bzw. Kürze einzelner Silben (z.B. in lateinischer oder mittelhochdeutscher Dichtung); bei akzentuierenden Sprachen (u.a. Deutsch und Englisch) hingegen ist die Silbenwucht maßgeblich, d.h. die Stärke oder Schwäche der Silbenbetonungen. Dabei spricht man bei betonten Silben von Hebungen und bei unbetonten Silben von Senkungen. In der deutschen Metrik werden – anders als beispielsweise im Französischen – nicht die Silben eines Verses gezählt, sondern die Zahl der Hebungen. Innerhalb des Verses treten häufig regelmäßige Abfolgen betonter und unbetonter Silben auf, die als strukturgebendes Element das gesamte Gedicht durchziehen; Beispiel:
Es sang vor langen Jahren
Wohl auch die Nachtigall,
Das war wohl süßer Schall,
Da wir zusammen waren.
(C. Brentano, „Der Spinnerin Nachtlied“)
blau: unbetonte Silbe
rot: betonte Silbe
Eine schematische Darstellung dieser Strophe sieht folgendermaßen aus:
xXxXxXx
xXxXxX
xXxXxX
xXxXxXx
(x = unbetonte Silbe; X = betonte Silbe)
Versfuß
Im vorliegenden Beispiel wird die Regelmäßigkeit der Abfolgen betonter und unbetonter Silben ersichtlich; die einzelnen „Bausteine“ dieser Verssequenzen (xX), die zugleich die kleinste metrische Einheit darstellen, bezeichnet man als „Versfüße“. Der Versfuß (gelegentlich auch als „Takt“ bezeichnet) ist grundsätzlich nicht an Wortgrenzen gebunden, sondern kann sich auch aus Silben aufeinanderfolgender Wörter zusammensetzen (so in V.1: vor lang|en Jah|ren ) Die gebräuchlichsten Versfüße sind:
- Jambus (von gr. iaptein = schleudern): Abfolge von unbetonter und betonter Silbe (wie im vorliegenden Gedichtauszug): xX
Bsp.: genug, betont, verhasst - Trochäus (von gr. trechein = laufen): Abfolge von betonter und unbetonter Silbe: Xx
Bsp.: morgen, Liebe, Träume[diesen regelmäßigen Wechsel betonter und unbetonter Silben bei Jambus und Trochäus nennt man Alternation]
- Anapäst (von gr. ana-paiein = zurückschlagen): Abfolge von zwei unbetonten und einer betonten Silbe: xxX
Bsp.: Medizin, überdreht“Ü-bers Jahr, ü-bers Jahr, wenn der Frühling dann kommt“ (anonym)
- Daktylus: (von gr. daktylos = der Finger (jeder Finger (mit Ausnahme des Daumens) hat drei Glieder)): Abfolge von einer betonten und zwei unbetonten Silben: Xxx
Bsp.: Daktylus, unbekannt„Pfing-sten, das lieb-liche Fest, war gekom-men: Es grün-ten und blüh-ten…“ (aus J. W. von Goethe: Reineke Fuchs)
Bestimmung des Metrums
Um die Länge eines Verses zu messen, macht man sich die Zahl der Hebungen zunutze; um das Metrum eines Gedichtes zu ermitteln, bestimmt man zunächst die Art der Versfüße und zählt in einem zweiten Schritt die Hebungen pro Vers (die ggf. variieren können, weshalb man bei einer Gedichtanalyse möglichst alle Verse untersuchen sollte).
Bsp.:
„Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
…“
(Claudius, „Abendlied“)
Liest man diesen Abschnitt und achtet dabei auf die Betonungen, so stellt man fest, dass jeweils die zweite, vierte und sechste Silbe jedes Verses betont ist. Die Verse beginnen auftaktlos (d.h. die erste Silbe ist unbetont) und die Betonungen alternieren (unbetont / betont / unbetont / betont / unbetont / betont / (unbetont)); hier liegt also ein jambischer Versfuß vor (s.o.). In jedem Vers kommen drei betonte Silben vor, deshalb spricht man von einem dreihebigen Jambus (bzw. – mit einer anderen Bezeichnung – von einem „jambischen Trimeter“).
zwei Hebungen: Dimeter
drei Hebungen: Trimeter
vier Hebungen: Tetrameter
fünf Hebungen: Pentameter
sechs Hebungen: Hexameter

neueste Antworten